Zusammenfassung

Beinahe wärst du blind geworden, wie die meisten deiner Artgenossen und beinahe genauso taub. - Im letzten Augenblick rettet dich deine Liebe...

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Zärtlich empfängt dich diese Welt am ersten deiner Tage und fortan lehrt dich die Menschheit, es zu vergessen.

Endlich tief durch atmen! Endlich den Widerhall deines eigenen Schreis genießen. Auch die kleinste deiner Regungen zum Ereignis werden sehen und als großen Schritt in die Welt gewertet wissen. Jeder Tag ist ein Fest der Reize und Erkenntnisse.

Erst viel später die Überforderung fühlen und die Müdigkeit, die
deine ersten Tage beenden. Deine Entwicklung plötzlich durch Grenzen gehindert sehen und deine Wahrnehmung beschränkt.

In den folgenden Jahren entdecken müssen, dass Menschengunst durch Selbstgeißelung nur erlangt werden kann und zu erkranken an den dich begrenzenden Regeln menschlicher Gemeinschaft.

Im Spiegel irgendwann Falten finden, die dich erschrecken, weil sie dir von deiner Anpassung an etwas berichten, das dir eindeutig nicht gut getan hat, seit jenen ersten Stunden, als die Welt dich noch wachsen ließ.

Dich einen Augenblick deines Lebens lang auf das Unvermeidliche einlassend finden, bis du entdeckst, dass es keinen Sinn macht, weil das scheinbar Unvermeidliche gar nicht unvermeidlich ist.

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Beinahe wärst du blind geworden, wie die meisten deiner Artgenossen und beinahe genauso taub und stumm.

Im letzten Augenblick rettet dich deine Liebe und nur sie. Im letzten Augenblick rettet dich die Liebe, die du über all die Jahre und Jahrzehnte hinweg hast irgendwie erhalten können: … Die Liebe zu einer ursprünglichen Wahrnehmung, die dir am ersten Tag geschenkt worden war und die mit jedem Jahr danach schwerer zu erlangen dir schien: Dankbarkeit für einen Atemzug! – Jetzt die Köstlichkeit des süßen Duftes aus weiblichem Schweiß genießend, der sich hinter ein wenig Parfum versteckt, damit er nicht zu mütterlich wirkt.

Denn wer nicht ist, wie die Kinder, der wird das Himmelreich nicht erlangen.[*]

[*] Frei nach J. Kürzinger, 1975, NT Mattäus 18,3
VORBEUGEND: Die falsche Interpunktion ist in diesem Text richtig, da sie, die Spannungsführung zu fördern, von mir bewusst eingesetzt wurde.

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