Zusammenfassung

Die grundsätzlichen und elementaren Werte des menschlichen Lebens sind seit Urzeiten völlig unverändert geblieben. Hierüber legen auch die Texte von Marc Aurel Zeugnis ab, die er vor über 1800 Jahren schrieb. All zu gerne lässt sich der moderne Mensch über diese Tatsache täuschen.

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Marcus Aurelius Reiterstandbild

Es gibt Worte, die der Dichter aus einem tiefen Fühlen im Augenblick elementarer Erkenntnis findet und notiert, die wir Leser aber zunächst nur mit dem Verstand erfassen, ohne sie tatsächlich zu verstehen, denn für das Verständnis solcher Worte braucht es auch beim Leser einen eigenen Erkenntnisprozess, einen Erkenntnisprozess, der Zeit braucht und Arbeit, Arbeit, auf die sich der Leser einlassen muss.

So ging es mir mit einigen der Worte von Mark Aurel. Wohl hatte ich die Worte verstanden und auch die Intention des Autors, doch erst als ich sie erfühlen konnte, erkannte ich ihren tiefen Sinn und fand durch sie eigene Erkenntnis und Konsequenz:

„… Bedenke, dass du bald nichts sein wirst…“

Diese Worte schrieb der römische Kaiser Marcus Aurelius ungefähr im Jahre 175 n. Chr.. Ich hatte diese Worte mehrfach schon in seinen „Selbstbetrachtungen“ gelesen, doch kann ich nicht sagen, sie wären mir dabei so wichtig geworden, dass ich sie bewusst in meinen Alltag mitgenommen hatte. Eher trivial und wenig neu waren mir gerade diese Worte erschienen, bis sie mich plötzlich und inmitten von alltäglichen Verrichtungen, aus dem Gedächtnis heraus ansprangen, wie ein hungriger Puma das ahnungslose Rehkitz.

Noch während ich über diese sieben Worte nachdachte, schauderte es mich, denn es kroch beim Steißbein beginnend, ganz langsam den Rücken hinauf in mir die Entdeckung, dass wieder einmal zehn Jahre vergangen waren, zehn Jahre meiner Lebenszeit, von denen ich beinahe nichts berichten konnte. Ich konnte von diesen zehn Jahren meiner Lebenszeit nichts berichten, weil ich zugelassen hatte, dass die Karriere in meinen Augen mir den Blick auf mein Leben vernebelt.

Zum Schluss erweist sich jede Karriere als so flüchtig wie die Lebenszeit, die wir für sie opferten, als hätten wir mehr davon und bräuchten den Nachschub nur beauftragen.

„… Bedenke, dass du bald nichts sein wirst…“

Solange wir tatsächlich glauben, dass Fabriken und die vielen anderen menschlichen Unternehmungen ausschließlich dafür da sind, Geld zu verdienen, und wenn sie kein Geld verdienen, verdienen, geschlossen zu werden, und so lange wir nichts anderes hören und nichts anderes lesen, so lange wird Zufriedenheit kein Lohn sein und Lebenszeit keinen Wert haben und Mensch wird keine Lebensqualität finden, die er gerne teilt und die er zu verteidigen weiß, zu verteidigen gegen die Lügner unserer Zeit.

„… Bedenke, dass du bald nichts sein wirst…“

Wofür möchtest du gelebt haben?

(19.10.2011)

 

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