Zusammenfassung

Der private Verbrauch ist einer der Hauptfaktoren für eine gesunde Volkswirtschaft. Er wird zunehmend von einigen wenigen "Global Playern" im Internet an den deutschen Sozialkassen vorbei gesteuert. Diese Unternehmen tragen die kranken Erfolgskriterien der globalen Investoren ungehindert in die bundesdeutschen Einzelhandelsmärkte und zerstören die gewachsenen Versorgungsstrukturen in der Fläche. Die Folgen sind katastrophal und werden sehr schnell und mit zunehmender Geschwindigkeit unsere gesamte Gesellschaft verändern.

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Technik-Trend 2017 - Der elekronische Konsument

Ein großes Internetmagazin „für Smartphones und ihre Trägerinnen und Nutzer“ fragt Anfang 2017 seine Leserinnen und Leser nach den wichtigsten Technik-Trends, die sie für dieses Jahr voraussagen.

In den Antworten wird über Drohnen spekuliert, über VR- und AR-Brillen. Neue Apps und neuere Smartphones erscheinen wichtig, künstliche Intelligenz und Machine Learning, E-Mobilität und Connected Cars. Im Jahr 2017 werden Smart Home Gadgets mit Sprachsteuerung einen Mega-Trend darstellen, Audio-Gadgets werden weiter boomen, Tablets, Notebooks und Wearables (Smartwatch, Fitnesstracker und Co.) werden ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen, glauben die Leser des Internetmagazins.

Ich glaube, der wichtigste Technik-Trend dieses Jahres und auch der kommenden Jahre wird unsere gesamte Gesellschaft verändern, dauerhaft und unaufhaltsam, vergleichbar nur mit der Erfindung der Dampfmaschine und des integrierten Schaltkreises, oder mit den Folgen der Verbreitung von Breitband-Internet und mobiler Kommunikationstechnik. Der Technik-Trend, den ich meine, der ist durch die Entwicklung der Internet- und Kommunikationstechnik gekennzeichnet und erst möglich geworden. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung des globalen Internethandels, den wichtigsten aktuellen Technik-Trend. Der globale Internethandel durchdringt inzwischen alle Märkte, alle Käuferschichten und jeden Beschaffungsvorgang, völlig unabhängig davon, ob es sich um einen privaten oder um einen gewerblichen Einkauf handelt.

Die Folgen sind katastrophal und werden sehr schnell und mit zunehmender Geschwindigkeit unsere gesamte Gesellschaft verändern. Das wurde mir klar, als ich kürzlich im Internet einen speziellen Radiergummi für Künstler direkt aus Japan bestellte. Ich erhielt den Radiergummi nach zehn Tagen per Luftfracht aus Japan für die Hälfte des Preises, den ich in Deutschland hätte bezahlen müssen, inklusive Versandkosten.

Der globalisierte Handel bedroht also nicht nur die Milchbauern in West- und Zentralafrika, die ihre Milch nicht für die geringen Preise produzieren können, die die Importe aus der EU kosten, weil die Milchproduktion in der EU subventioniert ist.

In 2017 werden viele kleine Einzelhändler in Deutschland ihre lokalen Ladengeschäfte aufgeben (müssen), weil die grenzenlos steigenden Mieten in keinem Verhältnis mehr zum aktuellen Gewinn und zu den weiteren Erwartungen stehen. In weiten Teilen der Republik wird die lokale Versorgung mit Konsumgütern zusammen brechen oder nur noch durch Discounterketten und Supermärkte geleistet, die ausgewählte Konsumgüter als Aktionsware anbieten. Viele Menschen, die ohne eigenes Kraftfahrzeug und ohne Affinität zu Technik und Internet sind, werden ab 2017 zunehmend echte Versorgungsprobleme bekommen.

Einigen Politikern wird, wenn auch spät, im Jahr 2017 klar werden, dass DHL, Google und Amazon in dieser Situation neben Aldi, Lidl und Co. eine Schlüsselrolle für die deutsche Volkswirtschaft erhalten haben, die kein von einem Trump gesteuertes Land und auch kein privatwirtschaftlich orientiertes Unternehmen haben sollte.

Der private Verbrauch ist einer der Hauptfaktoren für eine gesunde Volkswirtschaft. Er wird in Deutschland inzwischen vollständig von einigen wenigen „Global Playern“ gesteuert, die keine anderen Interessen in Deutschland haben, als Gewinne abzuschöpfen. Diese Unternehmen aber leisten keinen gleichwertigen Beitrag zu den deutschen Sozialkassen und sie bezahlen in Deutschland keine angemessenen Steuern. Stattdessen tragen diese Unternehmen die kranken Erfolgskriterien der globalen Investoren ungehindert in die bundesdeutschen Märkte des traditionellen Einzelhandels.

Das Ende der inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen wird zwischen Internethandel, Discounterketten und Vermieterlobby besiegelt.

Mann stelle sich vor, ein Hotdogverkäufer auf den Straßen von Manhattan müsste, um mit seinem Imbisswagen konkurrenzfähig zu bleiben, ein globalisiertes Sortiment mit Preisen anbieten, die aus Indien und China vorgegeben werden, und er müsste dabei die Bedingungen des lokalen Gesundheitsamtes, der lokalen Gewerbeaufsicht, des Ordnungsamtes, der Polizei und des Finanzamts beachten und müsste Mieten bezahlen, wie ein deutscher Einzelhändler im Zentrum einer deutschen Großstadt.

Das ist nur schwer vorstellbar? Warum? Weil es ein US-amerikanischer Kleinstunternehmer ist, den wir aus dem Fernsehen kennen und den wir gerne auch auf unseren Straßen sehen würden, weil auch wir Hotdogs lieben? Was uns für den Hotdogverkäufer aus Amerika undenkbar erscheint, das verlangen bundesdeutsche Regierungsvertreter und Journalisten vom deutschen Einzelhändler. Dabei macht der stets gleich lautende Tenor nur wenig Mut und klingt eher wie das fröhliche Kinderlied, dass die Einsamen pfeifen, im tiefen, dunklen Wald: „Fürchtet euch nicht, zum Schluss wird alles gut!“

„Für die Kunden von morgen gibt es keine Trennung mehr zwischen „realer“ und „digitaler“ Welt“. schreibt Janine Seitz im Jahre 2013 in den „Sales Trends“ der Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt. Frau Seitz vergisst dabei, dass ein „ganzheitliches Handelsverständnis“ vom kleinen inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen nicht zu praktizieren ist.

Eine „durchgängige, naht- und grenzenlose Einkaufserfahrung“, wie Frau Seitz ihre Vorstellungen konkretisiert, eine solche Einkaufserfahrung, die den Kunden einen Wechsel zwischen den Handelskanäle online, offline und mobile nicht mehr spüren lässt, sie kostet den Händler erst einmal viel Zeit und Geld, ohne eine konkrete Vorstellung vom Return of Investment zu haben. Die Märkte steuern in vielen Segmenten der Sättigung entgegen und Frau Seitz fabuliert vom „Point-of-Interest“, der den „Point-of-Sales“ ersetzen können soll. Das sind Ideen, die den kleinen Einzelhändler nicht mehr erreichen können, denn er hat weder die Zeit noch das Geld, um in gesättigten Märkten solche Risikoinvestments erfolgreich zu machen.

Dennoch sind sich die Regierungsverteter und Journalisten einig: Die kleinen inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen müssen nur selbst einen Webshop im Internet eröffnen, neben dem lokalen Geschäft, dann ist ihre Rente sicher. Der kleine Einzelhändler glaubt solchen Ratschlägen und Beschwörungen nicht mehr und das mit Recht. Er zieht seine Konsequenzen spätestens dann, wenn er seine Nebenkostenabrechnung, seine GEZ- und seine GEMA-Rechnung bezahlt hat und seine Mieterhöhung für 2017 im Briefkasten findet, während sich die Finanzbehörde neue Schikanen für ihn ausdenkt.

Aber auch die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten sind für den Einzelhandel „getrübt“. Die Entwicklung der Binnennachfrage folgt in 2017 der politischen Entwicklung, die durch die Interessen der beiden großen Globalstrategen, Russland und USA, gekennzeichnet sein wird, die durch eine weitere innenpolitische Destabilisierung Deutschlands und Europas die eigene wirtschaftliche und politische Lage verbessern wollen. Die Deutschen aber müssen um’s Erdöl betteln, damit sie weiterhin ihre Blutdruckmedikamente herstellen können, denn die meisten chemischen Erzeugnisse werden heute aus Grundchemikalien hergestellt, die derzeit zu ca. 90 % aus Erdöl und Erdgas gewonnen werden.

Narren sind der Kaufmann und die Kauffrau, die bei dieser Lage der Dinge untätig bleiben.

Die schlechte Versorgungssituation in der Fläche und die steigenden Benzinpreise werden 2017 auch die Landflucht weiter beschleunigen, die Mieten in den Ballungsräumen weiter steigen lassen und indirekt einen unabwendbaren Beitrag zur Armut und Obdachlosigkeit in Deutschland leisten.

Der Verlust der Arbeitsplätze im Einzelhandel wird gemeinsam mit dem Verlust der Arbeitsplätze aus der Industrie 4.0 eine neue Sockelarbeitslosigkeit schaffen, die ein weiteres, offenkundiges Argument für ein Bürgergeld liefern wird. Das aber wird von unseren Volksvertretern auch im Jahr 2017 weiter ignoriert werden, denn schließlich ist es ja ein Wahljahr. Der Bürger darf in diesem Jahr einmal wieder die Industrievertreter seines Vertrauens ins Parlament wählen. Natürlich wird die Gewerkschaft auch in diesem Jahr erneut ihre historische Chance verschlafen, diese Welt zu einer besseren zu machen… – Noch Fragen?

 

Ach, ja, irgendjemand wird wohl 2017 auch entdecken, dass wir gar keine elektronischen Fußfesseln für „Gefährder“ brauchen, wenn alle Bürger sowieso freiwillig ihre Smartphones und Smartwatches kaufen und tragen, die mit Annäherungssensor, Gesichtserkennung und GPS Tracker ausgerüstet sind. … Willkommen in 2017!

Die Idee der „sozialen Marktwirtschaft“ war den globalen Investoren und den Wirtschaftsliberalen schon immer suspekt. Im Jahr 2017 werden wir diese linke Phantasie still und heimlich endgültig beerdigt sehen. Genau so, wie wir es mit den Ideen des Sozialismus haben geschehen lassen. Die Wirtschafts- und Parteiendiktatur wird unmaskiert ihre hässlichsten Fratzen zeigen, spätestens nach der Wahl im Jahre des Herrn 2017. Sie wird es dann gefahrlos tun können, denn eine Opposition, die eine relevante gesellschaftliche Kraft werden kann, wird sich nicht mehr bilden können.

Die Zufriedenheit der Bürger wird dennoch nicht abnehmen, so lange das öffentlich-rechtliche Fernsehen den tripple HD Empfang für Sportsendungen über DVB-T2 sicher stellt, wetten?

aktualisiert 26.01.2017

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