Zusammenfassung

Ich erinnere ein altes Lied, das in mir zugleich die Erinnerung an einen ganz besonderen Menschen, Schriftsteller und Poeten wachruft, der vor 27 Jahren in Passau mit nur 55 Jahren starb: Helmut Walters ein feinsinniger Dichter, beschenkt mit einer heiteren Erzählergabe...

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Kürzlich erinnerte ich mich einmal wieder an ein altes Lied und ich erinnerte sogar, wann und wie ich dieses „Lied von den Grundrechten“ kennen gelernt hatte und wo ich heute das Buch dazu finde. Das Lied wurde von Hellmut Walters geschrieben, der 1979 in einem Gespräch nach einer seiner Lesungen einen bleibenden Eindruck in dem jungen Menschen hinterließ, der sich heute, nach über dreißig Jahren noch immer regelmäßig an diese Lesung und jenes Gespräch erinnert.

Die Achtung vor dem Wort war mir schon früh ins Herz gepflanzt. Hellmut Walters aber machte mich mit allen seinen Texten und mit jenem Gespräch das erste Mal auf diese Tatsache aufmerksam.

Gerne hätte ich mich bei ihm noch einmal bedankt, aber der Verlauf seines Lebens ließ ihn leider nicht sehr viel älter werden. (…) So möchte ich seine damals geäußerte Erlaubnis, gerne „in der Lehre von Verantwortung und Übung der Vernunft“ zitiert zu werden, heute dafür nutzen, um ihm in der GlotzBox in Dankbarkeit ein kleines Denkmal zu setzen, indem ich ein Lied aus seiner Feder zitiere, das heute mindestens so wahr ist, wie es wohl schon in allen Zeiten war:

Das Lied von den Grund- und Menschenrechten

von Hellmut Walters

Du hast ein Recht auf Meinung,
solange sie gefällt.
 
Du darfst dich frei bewegen,
bis man dich umstellt.
 
Du hast ein Recht auf Arbeit,
solang du Arbeit hast.
 
Du hast ein Recht auf Eigentum,
solang’s den Räubern passt.
 
Du hast ein Recht auf Postgeheimnis,
solange man’s nicht kennt.
 
Du hast ein Recht auf Religion,
bis der Scheiterhaufen brennt.
 
Du hast ein Recht auf Heimat,
bis man dich vertreibt.
 
Und du bis unantastbar,
bis man dich zerreibt.
 
Du hast ein Recht auf Rassenschutz,
sofern die Farbe stimmt.
 
Du hast eine Verfassung,
die garantiert es dir.
 
Du hast, du hast, du hast
so viel auf dem Papier.


Der Text ist auch erschienen im Gedichtband „Farben und Fraktur“ von Hellmut Walters (1930-1985), Delp’sche Verlagsbuchhandlung, 1973, ISBN 3768901114

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